„Meine Kamera habe ich immer dabei“

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Beinahe zwei Jahrzehnte lang war Herbert Schürl im Sportkreis ehrenamtlich tätig als Sportabzeichenreferent und mit kurzer Unterbrechung als stellvertretender Vorsitzender.

  • Haller Tagblatt
  • 18 Apr 2020
  • Von Ralf Mangold

Foto: Ralf Mangold

Herbert Schürl ist wieder Vorsitzender beim TSV Ilshofen. Er hofft nun, dass auf dem Sportgelände rund um das Vereinsheim möglichst bald wieder der Ball rollen kann.

Bei der Hauptversammlung im März diesen Jahres hat Herbert Schürl allerdings nicht mehr für seine Posten beim Sportkreis kandidiert. „Nach 19 Jahren ist genug“, will sich der 64-Jährige jetzt ganz auf seine Aufgaben im Amt als Vorsitzender des TSV Ilshofen konzentrieren, dem viertgrößten Sportverein im Landkreis Schwäbisch Hall. Seine Nachfolge als Sportabzeichenreferentin tritt Vera Köhler an.

Herr Schürl, wie geht es Ihnen? Herbert Schürl: Mir geht es den Umständen entsprechend gut. Man muss das beste aus dieser für uns alle schwierigen Situation machen. Allerdings gehöre ich nach meinen drei Herzinfarkten zur absoluten Risikogruppe und achte deshalb genauestens auf die Einhaltung aller Vorschriften. Ich gehe aber dennoch ganz normal arbeiten, teilweise allerdings in Homeoffice. Meinen Enkel durfte ich nun schon ein paar Wochen leider nicht mehr sehen.

Auch alle anderen sozialen Kontakte sind gerade auf ein Minimum reduziert. Das fällt mir schon schwer.

Was sind eigentlich die Aufgaben eines Sportabzeichenreferenten?

Es gibt insgesamt rund 20 Stützpunktleiter im Landkreis, die ich bis vor ein paar Wochen koordiniert habe. Einmal im Jahr trifft man sich, teilt die Materialien aus und gibt die neueste Infos von der Referententagung in Stuttgart weiter. Zudem musste ich alle Urkunden ausstellen, so ein Sportabzeichen darf nämlich nicht jeder beurkunden. Der Arbeitsaufwand hat sich dennoch im Rahmen gehalten, weil wir sehr gute Leute an unseren Stützpunkten haben. Zudem war ich zuständig für die Referatsabnahme der neuen Stützpunktleiter, die alle drei Jahre durchgeführt wird. Den alljährlichen Sportlerball habe ich bei der Planung der sportlichen Auftritte mitgestaltet.

Immer weniger Menschen legen das Sportabzeichen ab. Ist es vielleicht nicht mehr zeitgemäß?

Es gibt sicherlich viele Gründe dafür. Ein gewichtiger ist sicherlich, dass die Anforderungen für das Sportabzeichen bei Kindern und Jugendlichen nicht mehr denen der Bundesjugendspiele an den Schulen entsprechen. Früher konnte man immer ein paar Ergebnisse aus den vier Disziplingruppen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination anrechnen lassen. Zudem gibt es seit einigen Jahren eine Unterscheidung in Gold, Silber und Bronze. Einige ältere Teilnehmer wollen immer Gold, aber das ist sehr anspruchsvoll. Und wenn sie es nicht schaffen, dann machen sie einfach nicht mehr mit. Wir haben eine Sportabzeichenprüfung einmal mit den Fußballern des TSV Ilshofen gemacht, da haben es nur rund die Hälfte aller Spieler gepackt – daran sieht man, wie schwer das ist.

Wie oft haben Sie eigentlich selbst schon das Sportabzeichen abgelegt?

Noch nie (lacht). Das ist aber nicht meiner Faulheit geschuldet, sondern meine Herzgeschichte ist der Grund dafür. Ein bisschen Fußball mit der Ü 60 geht aber noch. Das montägliche Kicken fehlt mir gerade. Bis vor kurzem war ich auch noch beim Herzsport, den ich auch gegründet haben. Das war sozusagen mein Baby.

Ende April soll der Sportjugendevent stattfinden. Wie ist da der aktuelle Stand?

Der ist vor ein paar Tagen abgesagt worden. Der Sportjugendevent war früher im Rahmen des Sportlerballs. Um diese Veranstaltung zeitlich zu entlasten, hat Hartmut Gellert vor rund zehn Jahren einen speziellen Ehrungstag für Jugendliche eingeführt – und dies hat sich bewährt.

Sind Ehrungen eigentlich in der heutigen Zeit überhaupt noch wichtig? Ich persönlich lege keinen großen Wert darauf, sonst müsste ich ja mit meinen ganzen Ansteckern an der Jacke herumlaufen wie ein General. Dennoch finde ich die Ehrungen wichtig, damit gerade die Ehrenamtlichen, die oft im Hintergrund arbeiten, auch einmal ins Rampenlicht treten. Die Auszeichnungen mit Vereinsoder Verbandsehrennadeln sollten allerdings einen würdevolleren Rahmen bekommen und nicht bei einer Mitgliederversammlung überreicht werden. In diesem Jahr ist deshalb ein spezieller Ehrungsabend geplant. Auch bei den Sportabzeichen gibt es ab 25 Teilnahmen eine besondere Ehrung im Rahmen des Sportlerballs. Das ist für viele eine ganz besondere Motivation dranzubleiben.

Man sieht Sie bei vielen Veranstaltungen mit ihrem Fotoapparat ….

Das ist mein absolutes Hobby. Meine Kamera habe ich fast immer dabei. Ich mache viele Bilder von Blumenwiesen und von der Familie, aber hauptsächlich vom Sport beim TSV Ilshofen. Und damit meine ich von allen Abteilungen, die es beim TSV gibt – nicht nur vom Fußball, wo ich bei allen Heim- und Auswärtsspielen immer dabei bin. Die Bilder habe ich alle in einen digitalen Ordner einsortiert. Einige davon werden auf der Homepage, im Gemeindeblatt oder in der Vereinszeitung „Ilshofen aktuell“veröffentlicht. Außerdem sammle ich alle Zeitungsartikel, die über den TSV veröffentlicht wurden.

Was kann der Sportkreis in dieser Krise, die ja auch alle Amateure betrifft, jetzt für die Vereine tun?

Der Sportkreis ist das Sprachrohr für die Vereine beim WLSB und kann deren Sorge und Nöte weitergeben. Es wird zukünftig wohl auch einige Hilfsangebote geben. Finanziell wird es sicherlich schwierig für alle Klubs, da möglicherweise bis zu den Sommerferien alle Veranstaltungen abgesagt werden müssen und die geplanten Einnahmen fehlen. Allerdings denke ich trotzdem, dass der Amateurbereich eher glimpflich davon kommen wird. Schwieriger wird es allerdings für Vereine wie den TSV Ilshofen, die auch noch Kurse anbieten. Die Kursleiter haben keine Einnahmen und auch der Verein geht leer aus. Da weiß man nicht, wie lange man das durchstehen kann. Unsere Oberliga-Fußballer verzichten größtenteils komplett auf ihr Gehalt oder machen große Abstriche. Und dann haben wir beim TSV ja auch noch eine Geschäftsstelle mit zwei Minijobbern. Hier gibt es allerdings wegen einer Neustrukturierung aktuell genug zu tun. Ich bin da gerade ziemlich eingebunden.

Sie waren um die Jahrtausendwende zehn Jahre lang Vorstand beim TSV Ilshofen. Warum sind Sie jetzt wieder zurück im Amt?

Wir mussten etwas machen wegen der existenziellen Krise der Fußball-Abteilung, ansonsten wäre es mit Fußball beim TSV nicht weitergegangen.Wir haben einen neuen Vorstandsposten geschaffen, den Dario Caeiro einnimmt. Ich habe mich entschieden, in dieser schwierigen Situation zu helfen und wieder den Vorsitz des Gesamtvereins zu übernehmen. Toll unterstützt wurde ich dabei von Wolfgang Bayer, ohne ihn hätte ich das sicherlich nicht gemacht. Auch mein Stellvertreter Jürgen Moll ist eine große Hilfe.

Die Hauptversammlung wurde vor ein paar Wochen abgesagt. Ist der Verein überhaupt noch handlungsfähig in der Krise?

Wir wollten den Bau des neuen FAI-Heims beschließen, das haben wir aber verschoben. Der laufende Geschäftsbetrieb ist ohne Probleme möglich. Wir tauschen uns regelmäßig mit den Abteilungsleitern im Vereinsrat aus. Schwierig sind allerdings die Planungen bei den Oberligafußballern und beim BWK-Arena-Cup. Man weiß ja nicht, wie es mit den Sponsoren weitergeht. Ich denke nicht, dass in dieser Saison noch einmal ein Spiel stattfinden kann. Rein auf den sportlichen Bereich bezogen wäre ein Abstieg in die Verbandsliga kein Beinbruch für uns. Viel wichtiger ist jetzt, dass alle gesund bleiben.

 

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